Also der Reihe nach. Jahr für Jahr strampeln eine nicht geringe Zahl an Radfahren durch Italien, Spanien, Deutschland oder eben auch Frankreich. Und sie tun das nicht eben so, sondern sie fahren um die Wette. Das ist natürlich interessant, deshalb berichten die Medien darüber, das wiederum lockt Firmen an, die gerne ihre Namen mit denen der erfolgreichsten Radler in den Medien sehen wollen. Dies lassen sich die Radler natürlich bezahlen, genauso die Fernsehübertragungen, die spülen auch Geld in ihre Kassen. Genauer gesagt, der schnellste und beste bekommt am meisten. Bekommt man erstmal genug Geld, kann man das in Mediziner investieren, dort verzinst es sich. Denn die Ärzte kennen massig Tricks, wie man noch kraftvoller und ausdauernder in die Pedale treten kann. Das wiederum führt zu besseren Ergebnissen und noch mehr Geld. Soweit so gut. Aber die Medien, wie die ARD, die zahlen ja nicht nur dafür, die verkaufen ja auch wiederum Werbezeiten. Und je mehr Leute da zugucken und sich dafür interessieren, um so mehr verdienen die. Dann können sie Ausschnitte dieser Radfahrten sogar während der Tagesschau zeigen, das wiederum freut die Firmen, deren Logos die Trikots der Fahrer zieren, und wiederum gibt es mehr Geld. Nun ist es aber so, dass dem ganzen Spektakel nur ein Zauber anhaftet, wenn man dem Zuschauer glaubhaft machen kann, es gehe dort fair zu. Bzw. wenn er chipsfutternd auf der Coach liegend staunen kann, wow, die schinden sich hier mit Tempo 40 über die Alpen, mit dem Fahrrad! Um dem Nachdruck zu verleihen hat man da ein paar Menschen hingeschickt, die ihre Nase in den Urin der Radler stecken und dann sagen, alles sauber! Also so gut wie. Ein paar Einzelfälle an Dopern braucht man, alibimäßig, und die findet man. So könnten alle glücklich sein, wären da nicht ein paar, die dem nicht glauben. Diese Störenfriede stochern nun schon so lange rum, bis endlich die ersten Radler und/oder Betreuer die Nerven verloren und es zugeben haben, dass es die Mediziner sind, die sie schneller machen. Welch ein Skandal möchte man meinen. Aber ist es wirklich einer? Wenn doch alle manipuliert haben? Dann haben sich die Mediziner doch eigentlich mit dem Radsport nur ein lukratives Standbein geschaffen. Man hätte doch alles so lassen können. Alle hätten weiter profitiert. Und schon lange habe ich das Gefühl, dass man so besonders in Kreisen der ARD dachte. Denn das Verhalten dort ist mir immer schon rätselhaft. Sie haben Angst so scheint mir, Angst, dass das Interesse der Zuschauer sinkt, damit die Einschaltquoten, damit die Werbeerlöse, damit der Gewinn. Also was tun sie? Sie poltern laut los, ja wenn das so ist, dass da so dermaßen gedopt wurde, dann steigen wir aus. Das soll wohl bei den Radlern für Angst sorgen. Wenn sich jetzt vielleicht noch einer überlegt, alle Manipulationen zu gestehen, dann muss er doch nun zweimal nachdenken, denn das würde dann ja weniger Geld bedeuten. Weniger Geld für den Radsport, weniger Geld für ihn. Was also tun, nichts sagen, weiter dopen, weiter gut verdienen. Ganz im Sinne der ARD und im Sinne der Werbepartner. Wie sonst kommen sie über Wochen mit ihren Logos in die Tagesschau und damit zum Zuschauer, da gibt es nicht viele Alternativen.
Doping, Fernsehen, Radfahren
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[…] Die meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ernüchtert oder hinlänglich an Enttäuschungen gewöhnt. [↩]Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne daß deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits muß gewährleistet bleiben, daß die Athleten keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung. [↩]Der Habitus kann verkürzt als Charakteristik der individuellen Persönlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition prägt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln. [↩]Dazu zählen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; sämtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet für sein Zurechtfinden im Sportumfeld benötigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive "erlernt", adaptiert und als Habitus inkorporiert. [↩]Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren lässt [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef Hagen Boßdorf schrieb sogar eine Jan-Ullrich-Biographie], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben. [↩]Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; und auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterbühne also, thematisiert. [↩]Für die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tatsächlich plausibel, daß die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Für das Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa von Fred Eberle skizziert. [↩] […]
Pingback von Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II | Wissenswerkstatt — 24. Mai 2007 | 17:09 Uhr