Sorgen eines Spießers

3.500 € für den m² musst schon rechnen, lachte der Typ der mir heute im Bus gegenübersaß in sein Telefon. Da musst Dich dann nicht schämen wenn mal Besuch kommt, fuhr er fort. – Tja, dann werde ich wohl ewig Mieter bleiben, wenn diese Weisheit stimmt. Oder aber ich begutachte heute abend noch zwei Manuskripte, dann bin ich dem Eigenheim 1 cm² näher.

Flugmodus

Freitag, 1.200 km von zu Hause. Es fühlt sich an wie eine andere Welt, dabei sind es nicht mal zwei Flugstunden. Freilich mit Wartezeiten, Bus, Auto, etc. pp. summiert sich das zum drei- bis vierfachen. Das spielt in diesem Moment keine Rolle, denn auch zu Hause ist grad irgendwie weit weg, es ist fremd, es ist still, es ist stumm. Ist es das wirklich oder schlafe ich nur? Träume ich, oder ist es Zufall, das genau an diesem Tag in der von mir abonnierten Zeitung, diese Meldung auf Seite eins zu finden ist. Eine Randnotiz, nicht wirklich wichtig, aber sehr persönlich und äußerst treffend. Auf Seite 1. Irgendwie verrückt. War das nur für mich, oder konnten das alle lesen? Warum darf ich das im Flieger lesen, ich weiß das doch, das war doch mehr oder weniger der Anfang von allem. Schließt sich da ein Kreis? Die 112 g Elektronik sind verstummt: Flugmodus. Keine Konnektivität.

Karoshi

Karoshi, so hab ich heute gelernt, so bezeichnen Japaner den Tod durch Überarbeiten. Pffff, was sind das für Schwächlinge möchte ich da rufen. Aber das trau ich mich dann doch nicht, fünf Tage Spanien vor Augen und eine Woche Griechenland auch noch vor Ostern. Natürlich, Dienstreisen, aber zugleich auch Genußreisen. Ich hab doch hier schon viel zu oft geschrieben, wieviel Spaß mir das Arbeiten macht. Dafür sollte es einen Begriff geben.

Besorgnis

Da sieht man was Boykott bringt. Gar nichts. Keine Sekunde habe ich die Olympischen Spielen in Sotchi irgendwie wahrgenommen. Weder live noch in den Nachrichten. Nichtmal im Sportteil der Zeitung habe ich den Medaillenspiegel im Blick gehabt. Klar, das war nicht nur Boykott vor Putin, sondern auch vor Olympia und noch vielen weiteren Gründen. Scherz beiseite, was interessiert die Welt ob ich kleiner Wicht am TV mitfiebere ob unsere Mediziner noch Weltspitze sind, dafür ist es wirklich viel zu ernst. Die aktuelle Lage auf der Krim, das ganze politische Gehabe, das macht mir Angst. Es beunruhigt mich zu tiefst und ich verschlinge hier jeden Kommentar in den Medien. Irgendwie total hilflos, aber alle. Mehr als Zuschauen geht wohl nicht. Schade, dass das Gebilde Europa hier so schwach ist oder so schwach erscheint. Hoffentlich ist all die Besorgnis umsonst und vergebens und es findet sich doch eine langfristig stabile Lösung, alles andere wäre einfach nur der Wahnsinn, grauenhaft!

Das machen wir, wenn wir mal Zeit haben

Das ist ein Service. Heute Abend kam das AVE-Ticket sowie der Hotel-Voucher. Es geht doch nichts über spanische Gastfreundlichkeit. Ende des Monats bin ich beruflich in Córdoba zu Gast. Entgegen vielen anderen Reisen kümmert man sich dort immer perfekt um alles. Das erinnert mich immer daran, wie schön es wäre eine Sekretärin oder einen Sekretär zu haben. Irgendwie hört die Dekadenz scheinbar nie auf. Kaum hat man etwas erreicht, so wie ich seit November, die berufliche Freiheit sowie Sicherheit, schon kommt der nächste Wunsch an Stelle es sich einfach gemütlich auf der Position einzurichten. Das verrückte ist ja, es wäre realisierbar. Wenn ich noch ein bisschen mehr arbeite, um das Geld dafür aufzutreiben, um danach dann weniger zu arbeiten. Nein, diese Kausalkette, das weiß ich mittlerweile nur zu gut, die funktioniert bei mir nicht. Es wird immer mehr. Darum gibt es ja das Gerede von diesem wunderbaren “Früher”. Ja, damals, es war leichter, einfacher, … aus der Sicht von heute. Gearbeitet habe ich damals auch schon full time. Und darum frag ich mich, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass alles schlechter wird. Für vieles bleibt einfach nicht die nötige Zeit. Es ist zu oft ein Löcher stopfen. Ein: ja, passt schon. Kein Raum für Muse, keine Zeit für Schönschrift. Die Agenda elendslang, der elektronische Kalender proppevoll. Wir scherzen ja schon immer, das machen wir, wenn wir mal Zeit haben. Also nie, und jeder weiß das. Dennoch, es gefällt mir, ich mag nicht klagen, ich mag nicht, dass es weniger wird, ich mag mehr, und leidet darunter auch die Qulität, also manchmal, zumindest. Es gibt einfach zuviel spannendes zu machen, zuviele offene Fragen, das ist die crux eines aufregenden Berufs. Die Belohnung liegt dann in perfekt organisierten Reisen, wie der nach Andalusien, wo ich mich nur zurücklehnen muss und es mir wirklich mal ganz entschleunigt gut gehen lassen kann und das alles trotzdem unter dem Titel Arbeit subsummiert werden kann und muss.