54 Cent, oder Wohnen ist problematisch.

Wohnen ist eine gefährliche Sache, das hat mir jetzt die jährliche Stromabrechnung vor Augen geführt. Neben meinem Jahresverbrauch an elektrischer Energie und den mir dafür in Rechnung gestellten Kosten, kam auch noch eine Auflistung wie mein Strom erzeugt wurde und welche Mengen an CO2, sowie wie viel radioaktiver Abfall dabei so entstehen.

Gut 20 der großen Druckgasflaschen wie man sie von Volksfesten kennt, wo sie mit Helium befüllt zum Aufblasen von Luftballons benutzt werden, an Kohlendioxid sind das. Im Jahr! Alleine durch mein Wohnen. Puh! Das wäre nicht gut, wenn da alle zwei Wochen so eine Flasche voll angeliefert werden würde. Wie viel ich davon sonst noch freisetze, außerhalb der Wohnung, ich will es mir gar nicht vorstellen. Es ist so schon erschreckend viel. Und das sage ich, der eigentlich diese Panik mit Klimawandel durch CO2-Ausstoß so nicht mitträgt.

Beim radioaktiven Abfall, da hat mein privater Konsum an Strom zu Hause bislang in etwa die Menge, die einer Tafel Schokolade entspricht, hervorgebracht. Allerdings nicht auf ein Jahr bezogen, sondern seit ich lebe. Diese Schätzung ist natürlich sehr vage, da sie sich nicht einfach durch Multiplikation der aktuellen Zahlen mit meinem Lebensalter errechnen lässt. Ich hab angenommen, dass der Anteil durch Kernkraft erzeugtem Strom im Schnitt 50x höher war als es jetzt noch der Fall ist. Sollte ich biblisches Alter erreichen und weiter Kernkraft verwendet werden, wäre die heimische Aufbewahrung des entsprechenden Abfalls mengentechnisch weniger problematisch als die des CO2. Allerdings, über alle Generationen gerechnet, die daran noch “Freude” haben, da müsste der dicke Bleitresor im Keller dann doch beachtlichen Raum einnehmen.

Bei all dem wäre es eigentlich kein Ding, auf meinen Verbrauch umgerechnet, 54 Cent am Tag mehr zu bezahlen, um auf den “Ökostrom” meines Anbieters zu wechseln, bei dem man verspricht, dass dessen Erzeugung CO2-neutral und ohne Entstehung von radioaktivem Abfall erfolgt.

Rituale

Der erste offizielle Arbeitstag des Jahres, der zeigt einem immer wie beliebig auch ein sehr spannender Job sein kann. Es ist nämlich wie beim Groundhog-Day. Immer neue Mitarbeiter begrüßen, Arbeitsplatz zeigen und einweisen. Zu wissen, es startet nun eine gemeinsame Zeit für neun Monate bis maximal vier Jahren. In der Konsequenz – bei zehn Mitarbeitern – ein konstanter fortwährender Umbruch.

Was auch immer gleich am Jahresanfang ist, das sind die Planungen der Dienstreisen der nächsten drei Monate. Also Flug nach Amsterdam gebucht, Hotel in Leiden reserviert. Hotelsuche in Graz, morgen Flug und Hotel für San Franzisco buchen, überlegen ob ich nach Bilbao fahre, oder doch nicht und ist noch Zeit bis Ostern um auch noch nach Berlin zu reisen? Zugegeben, schon ein bisschen viel.

Und noch eines hat sich ins neue Jahr mit rüber gerettet. Sehr zu meinem Widerwillen, und dagegen muss ich wirklich etwas unternehmen: Zu mittag eine Leberkäs-Semmel runterwürgen. Grauslich, ich sag’s euch. Morgen wird es nicht besser, da steht Currywurst auf dem Speisezettel. Aber dann, wirklich, ich will es versuchen, ein bisschen gesünder, nahrhafter und wohlschmeckender zu essen.

Hundert Reichstaler müsstens sein, …

und zwischen heute und acht Tagen wünschte ich sie zu haben.

In der Formulierung nicht ganz im Stile aus “Gnädigster Herr, ich habe Familie – Schillers Bitt- und Bettelbriefe“, hab ich das Jahr arbeitstechnisch mit der Stellung einer fürstlichen Rechnung begonnen. Allerdings ist die Freude darüber leicht getrübt, denn auch der Staat will leben und deshalb bucht mir das Finanzamt eben heute auch schon mal einen gehörigen Batzen Nachzahlung aus dem letzten Jahr ab. So ist der Lauf der Dinge und daran wird sich auch im kommenden Jahr nichts ändern. Ein stetes Geben und Nehmen. Und jetzt haltet mich ruhig für verrückt, aber ich zahle meine Steuern eigentlich gern. Es bedeutet doch, dass es mir ganz gut gehen muss, und ja, ich hab noch die naive Vorstellung einer funktionierenden Solidargemeinschaft und die lass ich mir auch so einfach nicht nehmen.

Kann das weg oder ist das (schon) Kunst?

generalkarteDer Jahreswechsel mit seinen Feiertagen beschert einem so viel Zeit zu Hause, dass ich mich bemüßigt fühle etwas auszumisten. Da stellen sich dann Fragen, wie zum Beispiel: Was macht man eigentlich damit? Kann das weg oder ist das schon Kunst? Die Rede ist von einer Straßenkarte, genauer einem Stapel an Generalkarten: Deutschland sowie Österreich und die Schweiz im Maßstab 1:200.000. 1 cm auf der Karte entsprechen also 2 km in natura. Schon viel Papier! Und nein,  – für die etwas Jüngeren – man kann da weder rein- noch rauszoomen, auch mit den Fingern drüber wischen bringt nix. Die Frage also: Braucht man das noch mal? Ist man Pessimist denkt man an böse Mächte die unsere GPS-Satelliten runterballern. Was dann? Eher nicht, da ist dann wohl Zuhause bleiben angesagter. Oder man setzt die Karte eher freiwillig im Auto ein, um den Beifahrer zu ärgern und sich an seinen Faltkünsten zu erfreuen, oder längeren Autofahrten eine gewisse Spannung zu verleihen ob man denn auch das gewünschte Ziel erreicht? Soll man die Funktion der Karten umwidmen und sie zum Geschenke verpacken benutzen? Zum Tapezieren gar? Aufheben als Zeitdokument für die nächste Generation um zu demonstrieren, ja, früher war alles besser, da gab es tatsächlich jede Menge befahrbarer Straßen und gar Brücken? Sowas fehlt noch, oder vielleicht wird es das auch bald geben, Google Maps in der vierten Dimension, also mit einer Zeitachse. Das würde mich begeistern: Streetview 2010 mit Streetview 2050 vergleichen, oder sich gleich in Zeitraffer den Verfall oder die Blüte eines Stadtteils über die Jahre aus der Vogelperspektive ansehen …  Da freu ich mich schon drauf. Wird kommen, garantiert. Somit kommen meine Karten erstmal zum Geschenkpapier.

Flimmern und Rauschen

Im letzten Jahr – ha(!), jetzt also doch noch eine Art Rückblick – da war ich deutlich zu selten im Kino. Nur zweimal! Einmal ziemlich am Anfang des Jahres und einmal, … letzte Woche. Wenn man so mag, war ich also eigentlich gar nicht im Kino. Und das ist eine Schande, denn eigentlich liebe ich das Kino. Wie kommt’s? Nun ja als Ausreden kann ich meinen wohl außergewöhnlichen Geschmack anführen der immer seltener bedient wird,  aber auch ganz entscheidend den Umstand, wenn ich schon ins Kino gehe, dass mich dann zu allererst der Film interessiert und ich nichts essen will und muss. Ich hab den Eindruck für die meisten ist es anders rum. Jetzt muss man wissen, mich nervt schon, wenn andere im Bus, Zug oder sonstwo in Gegenwart unschuldiger Passanten glauben penetrant riechendes Zeug futtern zu müssen. Und dann erst im Kino. Na bitte! Am schlimmsten sind die, die vor einem sitzen und die Gummibärchen ins Licht halten um deren Farbe zu prüfen. Ich verstehe ja die Kinobetreiber, die mit dem Verzehr mehr Geschäft machen als mit dem Film an sich. Mich haben sie da aber irgendwie als Kunden verloren. Leider tun die von mir früher sehr geschätzten kleinen Programmkinos hier noch das übrige. Sonntag hätte ich schon mal Lust ins Kino zu gehen, denn da kommt doch eh meist nur sowas wie Tatort im TV. Aber nein, selbiger wird jetzt auch als Gemeinschfatsevent im Kino gezeigt. Ich versteh’s nicht. Dadurch, dass die Zeit zwischen Kinostart und DVD-Veröffentlichung erfreulicherweise immer mehr schwindet hab ich aber vermutlich nichts verpasst im letzten Jahr. Dennoch, 2015 – damit ich doch einen Vorsatz habe – möchte ich mindestens doppelt so oft ins Kino wie im letzten Jahr.  Den Anfang mache ich viellecht mit “Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach”. Und da soll jetzt noch einer sagen mein Filmgeschmack sei nicht ein wenig verwegen …