Karoshi

Karoshi, so hab ich heute gelernt, so bezeichnen Japaner den Tod durch Überarbeiten. Pffff, was sind das für Schwächlinge möchte ich da rufen. Aber das trau ich mich dann doch nicht, fünf Tage Spanien vor Augen und eine Woche Griechenland auch noch vor Ostern. Natürlich, Dienstreisen, aber zugleich auch Genußreisen. Ich hab doch hier schon viel zu oft geschrieben, wieviel Spaß mir das Arbeiten macht. Dafür sollte es einen Begriff geben.

Besorgnis

Da sieht man was Boykott bringt. Gar nichts. Keine Sekunde habe ich die Olympischen Spielen in Sotchi irgendwie wahrgenommen. Weder live noch in den Nachrichten. Nichtmal im Sportteil der Zeitung habe ich den Medaillenspiegel im Blick gehabt. Klar, das war nicht nur Boykott vor Putin, sondern auch vor Olympia und noch vielen weiteren Gründen. Scherz beiseite, was interessiert die Welt ob ich kleiner Wicht am TV mitfiebere ob unsere Mediziner noch Weltspitze sind, dafür ist es wirklich viel zu ernst. Die aktuelle Lage auf der Krim, das ganze politische Gehabe, das macht mir Angst. Es beunruhigt mich zu tiefst und ich verschlinge hier jeden Kommentar in den Medien. Irgendwie total hilflos, aber alle. Mehr als Zuschauen geht wohl nicht. Schade, dass das Gebilde Europa hier so schwach ist oder so schwach erscheint. Hoffentlich ist all die Besorgnis umsonst und vergebens und es findet sich doch eine langfristig stabile Lösung, alles andere wäre einfach nur der Wahnsinn, grauenhaft!

Das machen wir, wenn wir mal Zeit haben

Das ist ein Service. Heute Abend kam das AVE-Ticket sowie der Hotel-Voucher. Es geht doch nichts über spanische Gastfreundlichkeit. Ende des Monats bin ich beruflich in Córdoba zu Gast. Entgegen vielen anderen Reisen kümmert man sich dort immer perfekt um alles. Das erinnert mich immer daran, wie schön es wäre eine Sekretärin oder einen Sekretär zu haben. Irgendwie hört die Dekadenz scheinbar nie auf. Kaum hat man etwas erreicht, so wie ich seit November, die berufliche Freiheit sowie Sicherheit, schon kommt der nächste Wunsch an Stelle es sich einfach gemütlich auf der Position einzurichten. Das verrückte ist ja, es wäre realisierbar. Wenn ich noch ein bisschen mehr arbeite, um das Geld dafür aufzutreiben, um danach dann weniger zu arbeiten. Nein, diese Kausalkette, das weiß ich mittlerweile nur zu gut, die funktioniert bei mir nicht. Es wird immer mehr. Darum gibt es ja das Gerede von diesem wunderbaren “Früher”. Ja, damals, es war leichter, einfacher, … aus der Sicht von heute. Gearbeitet habe ich damals auch schon full time. Und darum frag ich mich, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass alles schlechter wird. Für vieles bleibt einfach nicht die nötige Zeit. Es ist zu oft ein Löcher stopfen. Ein: ja, passt schon. Kein Raum für Muse, keine Zeit für Schönschrift. Die Agenda elendslang, der elektronische Kalender proppevoll. Wir scherzen ja schon immer, das machen wir, wenn wir mal Zeit haben. Also nie, und jeder weiß das. Dennoch, es gefällt mir, ich mag nicht klagen, ich mag nicht, dass es weniger wird, ich mag mehr, und leidet darunter auch die Qulität, also manchmal, zumindest. Es gibt einfach zuviel spannendes zu machen, zuviele offene Fragen, das ist die crux eines aufregenden Berufs. Die Belohnung liegt dann in perfekt organisierten Reisen, wie der nach Andalusien, wo ich mich nur zurücklehnen muss und es mir wirklich mal ganz entschleunigt gut gehen lassen kann und das alles trotzdem unter dem Titel Arbeit subsummiert werden kann und muss.

Gastgeschenk

Was bring ich nur mit? – Diese Frage treibt mich heute immer wieder um, und letztendlich lande ich wieder beim Wein. Wie langweilig. Aber was sonst? Es geht darum, dass ich von der Chefin zum Abendessen zu ihr nach Hause eingeladen bin. Ein Umstand, dem ich mich beuge, mit ambivalenten Gefühlen, denn einerseits ist es gar nicht so unangenehm wie man sich das vorstellen mag, auf der anderen Seite, irgendwie bin ich für eine strikte Trennung von Arbeit- und Privatleben. Damit bin ich die letzten zehn Jahre ganz gut gefahren, und darum eigentlich doch dagegen. Und auch die Angst, dass daraus Verpflichtungen erwachsen, unterschwellig zumindest. Aber nun, vielleicht bin ich einfach zu borniert, also her mit den neuen Sitten. Werde mich schon dran gewöhnen. Also zeige ich mich von der besten Seite und bring ganz klassisch einen guten Wein mit.

Lampe Bier

“Lampe Bier”, in Frakturschrift. Hä? Was soll das denn. Etwas verwundert rieb ich mir die Augen, in der Schlange an der Kasse im Edeka stehend, den Unteram des Kassierers fixierend. Doch, “Lampe Bier” war da eintätowiert. Was für ein Blödsinn, wer lässt sich “Lampe Bier” in ca. 3 cm hohen Buchstaben in den Unterarm stechen. Es gibt ja immer diese Gerüchte zu chinesischen Schriftzeichen, deren Bedeutung eine ganz andere hat als die gewünschte, aber das hier? Der Kassierer spricht eindeutig die deutsche Sprache, zumindest den Kaufbetrag kann er aufrufen und einen schönen Tag wünschen, also würde er wohl auch Lampe Bier verstehen. Mittlerweile bin ich schon so nahe, dass ich meine Waren auf das Band lege doch immer noch lese ich den Blödsinn. Zu dumm nur, dass er sehr fix ist mit dem Waren über den Scanner zu ziehen. Zum erstenmal wünsch ich mir, dass es langsamer voran geht. Als ich dann dran bin und mir beim Zahlen extra Zeit lasse kann ich die Tätowierung genau entziffern. Nix “Lampe Bier” sondern “Carpe Diem”, in extrem schlechter Frakturschrift. Etwas enttäuscht denk ich mir, “Lampe Bier” wäre wirklich ein cooles Tattoo. Das stellt jedem der es sieht vor Fragen. Aber carpe diem, und dann den Tag an der Supermarktkasse zu bringen, da möchte man fast mitleidig fragen, ob das im Angebot war …